Das vordringlichste Ziel der Arbeitsgruppe ABS in der Pädiatrie ist es, einen Basiskurs zum ABS-beauftragten Arzt [1] zu etablieren, der die Kriterien des am 16.2.2016 veröffentlichten Curriculums der Bundesärztekammer erfüllt und für den Bereich der Pädiatrie unter der Schirmherrschaft der DGPI durchgeführt wird.

Das dabei erworbene Zertifikat ABS-beauftragten Arzt soll – nach positiver Prüfung des Kurskonzeptes durch den Vorstand der Bundesärztekammer vom 23./24.03.2017 – auch von allen Landesärztekammern anerkannt werden. In diesem Konzept gibt es eine Analogie zu den schon seit vielen Jahren im klinischen Alltag fest etablierten Hygienebeauftragten Ärztinnen und Ärzten (siehe hierzu die entsprechende Empfehlung der KRINKO). Insgesamt sieht das Curriculum dieses Kurses eine Fortbildung über 40 Unterrichtseinheiten à 45 min vor, die in zwei Teilen eines Basismoduls unterrichtet werden:

Teil 1 des Basismoduls der Fortbildung zum ABS-beauftragten Arzt entspricht dem Infektiologischen Intensivkurs (iik) der DGPI. Der einmal jährlich stattfindende iik (20 Unterrichtseinheiten) bietet für ca. 200 Teilnehmende auf sehr hohem fachlichen Niveau ein breites und aktuelles Fortbildungsangebot zu den Grundlagen der pädiatrischen Infektiologie. Die rationale Anwendung von Antibiotika entsprechend der maßgeblichen pädiatrischen Leitlinien, aber auch die gezielte Diagnostik bei pädiatrischen Infektionskrankheiten, sind Bestandteil dieses Kurses. Mit der Teilnahme an früheren IIK-Kursen der DGPI  wurde  damit  Teil 1 des Basismoduls und somit die Voraussetzung für die Teilnahme an Teil 2 des Basismoduls  erworben. Ein Mindest- oder Maximalabstand zwischen Teil 1 und Teil 2 ist nicht erforderlich.

Als Teil 2 des Basismoduls der Fortbildung zum ABS-beauftragten Arzt wird erstmals im Oktober 2016 (21.-23.10.2016) ein interaktiver Kurs ABS in der stationären Kinder- und Jugendmedizin in München angeboten (20 Unterrichtseinheiten). Dieser Kurs soll in Zukunft ein- bis zweimal pro Jahr stattfinden und ist auf die Grundlagen und die speziellen Aspekte von ABS in der stationären Kinder- und Jugendmedizin ausgerichtet.

Wer an beiden Teilen des Basismoduls (IIK-Kurs und pädiatrischer ABS Kurs) teilgenommen hat, ist berechtigt, die von der DGPI und der zuständigen Ärztekammer zertifizierte Bezeichnung ABS-beauftragter Arzt zu tragen und die damit in der Klinik verbundenen Aufgaben zu übernehmen. Außerdem kann er (oder sie) weiterführende modular aufgebaute Fortbildungsangebote bis zum Antibiotika-Experten wahrnehmen.

ABS-beauftragter Arzt [1]

Der rationale Umgang mit Antiinfektiva im Sinne eines ABS ist ein sehr wichtiger Aspekt, aber eben auch nur ein Teilbereich der pädiatrischen Infektiologie. Insofern kann der ABS-beauftragte Arzt in der Pädiatrie einen pädiatrischen Infektiologen nicht ersetzen. Beide Teile des Basismoduls der Fortbildung zum ABS-beauftragten Arzt in der Pädiatrie sind selbstverständlicher Bestandteil des Curriculums zur Weiterbildung zum (pädiatrischen) Infektiologen, wie sie in Zusammenarbeit mit der Bundesärztekammer als zweijährige Weiterbildung zurzeit entwickelt wird.

Während ein Pädiatrischer Infektiologe ein übergeordnetes interdisziplinäres ABS-Team (z.B. in einer universitären Klinik für Kinder- und Jugendmedizin) leiten und auch infektiologische Konsile am Krankenbett durchführen kann, sind die ABS-beauftragten Ärzte in der Pädiatrie in ihrer Abteilung / Klinik zuständig für

  • die (interdisziplinäre) Entwicklung von internen Leitlinien zu den häufigsten pädiatrisch Infektiologischen Krankheitsbildern.
  • die Überprüfung, ob bereits bestehende interne Leitlinien mit den Empfehlungen / Leitlinien der wissenschaftlichen Fachgesellschaften (u.a. der
    DGPI) kompatibel sind.
  • den Abgleich der internen Leitlinien zur empirischen Antibiotikatherapie mit den lokalen Erreger- und Resistenzstatistiken.
  • die Schulung ärztlicher Mitarbeiter in Bezug auf die Grundlagen des ABS und die Grundlagen des rationalen Einsatzes von Antibiotika.
  • die regelmäßige systematische Analyse von Antibiotikaverbrauchsdaten (gemeinsam mit dem Klinikapotheker)
  • die Teilnahme an nationalen Punktprävalenzstudien zum Antibiotikaverbrauch in Kooperation mit anderen Kliniken für Kinder- und
    Jugendmedizin.
  • die Konzeption und Durchführungen von gezielten Audits zum Antibiotikaeinsatz in der klinischen Praxis (z.B. in Bezug auf die perioperative Antibiotikaprophylaxe oder häufige Krankheitsbilder, wie der ambulant erworbenen Pneumonie).

ABS-beauftragte Ärzte in der Pädiatrie sind im Auftrag der klinischen Direktion und der Krankenhausadministration in ihrer Abteilung tätig. Sie arbeiten mit ihren ärztlichen Kollegen, den vor Ort zuständigen Mikrobiologen, Krankenhaushygienikern, Apothekern und IT-Technikern zusammen. Genau wie die Hygienebeauftragten Ärzte können sie ihre Aufgaben nur mit nachdrücklicher Unterstützung durch die ärztliche Direktion angemessen erfüllen. Hierzu muss ihnen ein angemessenes Arbeitszeitkontingent zugestanden werden.

[1] Die hier verwandten Personen- und Berufsbezeichnungen sind, auch wenn sie nur in einer Form auftreten, gleichwertig auf beide Geschlechter bezogen.